Die Geschichte vom Vogel Sebastian

Hallo, ich bin Sebastian und hier ist meine Geschichte …

Alles war so gemütlich im Nest, die Eltern kommen und stecken einem ständig Essen in den Schnabel. Doch irgendwann war es mir zu langweilig und ich kletterte heraus. Das war toll, endlich mal Beine und Flügel richtig zu strecken, ohne dass die nervigen Geschwister rummaulen. Die Eltern waren auch noch da und es gab weiter Essensnachschub. Also alles im Lot.

Beim Strecken und Wackeln mit den Flügel merkte ich plötzlich, wie ich abhob und in der Luft herumsegelte. Das war ein Spaß! Nach ein paar Übungsrunden startete ich richtig durch und pardauz, da war es passiert: Es gab einen Schlag und mir wurde ganz anders…

Als ich wieder wach war, hatte sich die Welt total verändert. Es gab keinen Himmel, die Sonne streifenförmig und große Wesen, es mussten laut meinen Eltern wohl Menschen sein, standen mit traurigen Gesichtern um mich herum. O Mann, ging es mir schlecht. Ich hatte schlimme Kopfschmerzen, konnte nicht aufstehen und der ganze linke Flügel pochte, dass ich es kaum aushielt. Dann verschwimmt alles. Ich erinnere mich noch, dass ich ständig etwas in den Schnabel eingeträufelt bekommen habe. Wie viel Zeit vergangen war, weiß ich nicht.

Ich wurde mit Nahrung versorgt und mit einem Metallgehäuse hin- und hergetragen. Die Nahrung sah ganz anders aus, als die von meinen Eltern. Deshalb habe ich mein Schnäbelchen auch nicht aufgerissen, wie ich es bei meinen Eltern getan hätte und bekam alles in den Schnabel gestopft. Es wurde ein paar Mal dunkel und wieder hell und langsam fühlte ich mich kräftiger. In dieser Zeit musste ich einmal ein ekliges Gas einatmen und habe danach nichts mehr mitgekriegt.

Die Menschen haben da scheinbar ein Bild von meiner Schulter gemacht. Wenn ich es richtig verstanden habe, war ein Knochen von meiner linken Schulter gebrochen. Da ich meinen Flügel aber ganz ruhig und gerade hielt, musste ich keinen Verband bekommen. Ach noch was, inzwischen hatten die Menschen rausbekommen, das ich ein Rotkehlchen bin. Wurde auch Zeit, oder? Ab und zu kamen fremde Menschen und guckten mich mit freundlichen Gesichtern an.

Als es mir noch besser ging, schaute mich meine Betreuerin, die Chefin selbst war es glaube ich, wieder ganz sorgenvoll an. Ich habe nämlich immer noch nicht selbstständig gegessen. War wohl noch ein bisschen durcheinander, schätze ich. Am nächsten Tag wurde ich wieder in meinem Metallgehäuse herumgetragen. Diesmal von einer anderen Person, die ich zwar schon mal gesehen hatte, aber mir war schon wieder alles ganz unheimlich. Sie brachte mich nach draußen. Ich konnte in der Ferne sogar ein anderes Rotkehlchen rufen hören.

Hier wo ich jetzt war, gab es viel Platz. Das Futter stand an bestimmten Stellen. Klar dass ich schnell gecheckt habe, dass hier jetzt Selbstbedienung angesagt war. Dann fing ich an mit meinem Flugtraining. Erst kleine Strecken und dann immer weiter. Ich wurde schnell besser und schaffte einige Runden in meinem neuen Zuhause. Außerdem habe ich gelernt, wie man Fliegen und Mücken fängt. Die schmecken, das kann ich euch sagen!

Heute ist wieder ein aufregender Tag! Die Tür steht offen und ich starte gleich in die Freiheit. Mal sehen, ob ich das andere Rotkehlchen finde, dass ich schon die ganze Zeit höre.

Und eins muss ich Euch noch sagen: Meine Eltern hatten mich vor den Menschen gewarnt, aber einige von Ihnen scheinen doch gar nicht so übel zu sein.

Die Geschichte vom Vogel Sebastian