Überraschung zu Ostern

„Wir fürchten, Putka hat sich erkältet!“

Mit dieser Vorgeschichte wurde uns kürzlich eine bildhübsche, ältere Rotwangenschmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) vorgestellt. Die Besitzer hatten die achtzehnjährige „Putka“ vor vier Monaten bei bester Gesundheit übernommen. „Putka“ lebte sich gut ein. Doch dann zeigte sie plötzlich ein leicht röchelndes Atemgeräusch und „Putka“ hatte weniger Appetit. Bei der Untersuchung stellten wir fest, dass die Schildkröte wenig Platz in ihrem perfekt gewachsenen Panzer hatte. Nach dem verdächtigen Tastbefund lieferte eine Röntgenuntersuchung Klarheit. Die Patientin trug acht Eier. Unsere Reptilienfachtierärztin Anne Fischer hat in „Putkas“ geräumigem Aquarium einen gemütlichen Legebereich integriert, um ihren natürlichen Instinkt zum Eierlegen anzuregen. Nun hieß es abwarten und bangen, ob „Putka“ ihre Eier selbständig legen kann oder ob eine Notoperation nötig werden würde. Und siehe da – nach zehn Tagen intensiver Erkundung nutzte unsere Rotwange die Gelegenheit zur Eiablage. Bisher sind drei Eier gelegt und wir hoffen auf weitere Eier zum Osterfest!

Eine erhöhte Leibesfülle durch Eier verursacht bei Schildkröten eine zeitweise Behinderung der Atemtätigkeit, ähnlich wie bei einer Hochschwangeren. Die Symptome Röcheln, Schleimabsonderungen aus dem Maul und Atemnot könnten ohne Einachweis mittels Röntgendiagnostik mit einer Lungenentzündung verwechselt werden. Unser Fallbeispiel zeigt, dass bei Reptilien ein zielgerichtetes diagnostisches Vorgehen verbunden mit einer Optimierung der Haltung der beste Weg ist, ein erkranktes Tier richtig zu behandeln.

Überraschung zu Ostern