Momo in Not!

An einem warmen Sommertag bekamen wir einen Notruf…

…„Hilfe, meinem Papagei geht es nicht gut. Ich glaube, sie kann ein Ei nicht legen!“. Uns wurde daraufhin der Gelbhaubenkakadu „Momo“ vorgestellt. Sie hatte bisher noch nie ein Ei gelegt. Mit 24 steht „Momo“ in der Blüte ihres Lebens und damit gibt es eine realistische Möglichkeit, dass Eier produziert werden. Übrigens auch dann, wenn der Vogel nicht verpaart ist. Bei der Untersuchung lernten wir Momo als freundlichen und umgänglichen Vogel kennen. Die erste Tastuntersuchung des Abdomens war jedoch nicht aussagekräftig, da Momo den Bauch sehr stark anspannte. Ein Röntgenbild ergab Gewissheit: Ein Ei, dass nur mit einer dünnen Kalkschale versehen war, befand sich weit im vorderen Teil der Bauchhöhle. Der Vogel wurde daraufhin mit Kalzium und Vitamin D3 versorgt. Eine Blutuntersuchung gab uns detaillierten Aufschluss über Momos Allgemeingesundheitszustand. Die Besitzerin ließ „Momo“ vorläufig in unserer Obhut, damit wir in einer Notsituation schneller eingreifen können. Am nächsten Tag fanden sich Blutspuren an der Kloake und die Patientin zeigte deutliches Pressen. Nun war es klar: Eine Notsituation erfordert unser sofortiges Handeln! Reguläre Termine wurden schnell verschoben und bereits wartende Tierbesitzer über die Zeitverzögerung durch die nötige Soforthilfe hingewiesen.

An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an alle unsere Patientenbesitzer, die sich in Notfallsituationen stets sofort und kompromisslos mit dem Not leidenden Tier und ihrem Besitzer solidarisieren!

In Narkose wurde der Versuch unternommen, das Ei durch vorsichtigen Druck über die Bauchdecke zur Kloake zu verlagern. Als das nicht gelang, musste schnell entschieden werden. Nur eine chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle konnte hier helfen. In Windeseile wurde eine Operation vorbereitet. Es zeigte sich, dass das schlecht kalzifizierte Ei mit dem Eileiter im vorderen Bereich verklebt war und sich deshalb nicht zum Kloakenausgang vorwärts bewegen konnte. Die Verklebung konnte gelöst werden und das Ei auf natürlichem Weg über die Kloake nach außen befördert werden. „Momo“ hat die OP gut überstanden und konnte einige Tage nach dem Eingriff nach Hause entlassen werden.

Patienten mit Legenot werden häufig in unserer Tierarztpraxis vorgestellt. Die Ursachen können vielfältig sein. Wie hier im vorliegenden Fall ein erstes Ei Schwierigkeiten bereiten kann, gibt es viele andere Ursachen. Zu nennen sind z. B. Entzündungen des Eileiters, andere Grunderkrankungen, die dazu führen, dass ein Vogel zu schwach ist, ein Ei zu legen, zerbrochene Eier oder Haltungsbedingungen und Zuchtformen, die Dauerlegen oder ein Verlegen der Eier fördern. Die Therapie richtet sich nach Ursache, Ausprägung und zeitlichem Verlauf der Legestörung und nach dem Allgemeinzustand der Patientin. Manchmal genügt es ein Kalziumdefizit auszugleichen oder es muss eine manuelle Entwicklung des Eies vorgenommen werden. Eine Operation kann erforderlich werden, wenn die beiden erstgenannten Varianten nicht erfolgversprechend eingeschätzt werden.

 

Momo in Not!